Freitag, 17. Februar 2012

Die Inflation erklärt an Hand der Super 8

Donnerstag, 16. Februar 2012 , von Freeman um 12:05
Meine erste Reise in die Vereinigten Staaten machte ich als Student 1974. Damals war ich knapp bei Kasse und so suchte ich mir die billigsten Motels auf meiner Reise durch Amerika aus die ich finden konnte. Ich landete oft bei der Super 8 Kette und übernachtete meistens in einer ihrer Motels die es vielerorts gab. Die Zimmer waren einfach und sauber und der Preis war günstig, 8,88 Dollar pro Nacht. Deshalb auch der Name Super 8.

Aber es geht hier nicht darum, über meine Reisen zu erzählen, sondern ich will mit diesem Beispiel die Geldentwertung aufzeigen, die seit 1974 stattgefunden hat.

Die grösste Budget-Hotel-Kette der Welt, Super 8 Hotels Inc., machte bei der Gründung 1973 ihren Namen zum Preis für ein Zimmer. Ein Werbegag der gut ankam und ihnen Erfolg bescherte. Lange konnten sie aber diesen Preis nicht halten, denn die Konsequenzen aus dem sogenannten Nixon-Schock passierten.

Anfang der Siebezigerjahre, als die Kosten für den Vietnamkrieg und die Ausgaben für den Staatshaushalt schnell anstiegen, kam auch noch ein wachsendes Handelsdefizit dazu. Die Geldmenge in Amerika stieg und stieg. Bis dahin war aber der US-Dollar durch Gold gedeckt.

Weil zu viele Dollars gedruckt wurden und wegen des Handelsdefizit verlangten immer mehr Länder, die USA müsse ihr Versprechen einlösen, die Dollars gegen Gold einzutauschen. Die Schweiz war das erste Land, welches im Juli 1971 für 50 Millionen Dollar entsprechend Gold verlangte.

Frankreich war dann besonders skeptisch und tauschte 191 Millionen Dollar in Gold um, was zu einer weiteren Reduzierung der US-Goldbestände führte. President Charles de Gaulle war so clever und lies das Gold sogar mit einem Kriegsschiff abholen und zurück nach Frankreich bringen.

Da der Wert des Dollars ständig fiel, stiegen die Bundesrepublik Deutschland und die Schweiz als erste aus dem Bretton Woods System aus, das sie bisher zwang ihre Währungen ständig abzuwerten, wegen der Kursfixierung zum Dollar.

Um die Wirtschaft zu stabilisieren, die Inflation zu bekämpfen und das Dahinschmelzen des Goldbestandes zu verhindern, verkündete am 15. August 1971 Präsident Nixon ohne Vorwarnung und Konsultation mit der internationalen Finanzwelt eine 90 Tägige Preiseinfrierung, 10 Prozent zusätzliche Importssteuern und ganz wichtig, das Ende der Konvertierung des Dollar in Gold.

Dies wurde dann der Nixon-Schock genannt, denn er traf die Finanzwelt völlig unvorbereitet und überraschend. Von da an und ab 1976 sowieso waren die Devisenkurse der wichtigsten Währungen frei handelbar und nicht mehr fix wie unter dem Bretton Woods Abkommen. Dieses galt seit dem II. WK und ordnete ein internationales Währungssystem basierend auf festen Wechselkursen, das vom goldhinterlegten US-Dollar als Leitwährung bestimmt war.

Ohne der Einschränkung durch die Golddeckung wurde aber dann auch die Geldmenge im US-Dollar von Jahr zu Jahr grösser, heisst der Dollar verlor ständig an Kaufkraft. Das Staatsdefizit und die Staatsschulden stiegen laufend, denn keine Regierung in Washington musste sich mehr an die Finanzdisziplin halten.

Als Ersatz für das Gold wurde das berühmt berüchtigte Abkommen mit der saudischen Königsfamilie getroffen, das Öl würde quasi den Dollar decken. Für das Versprechen, die Vereinigten Staaten würden das despotische Königshaus Saud für immer an der Macht halten, versprachen die Saudis, sie würden ihr Öl nur gegen Dollars verkaufen und es entsprechend in der OPEC auch so durchsetzen. So enstand der Petrodollar.

Das war wohl einer der genialsten Schachzüge der Geschichte, denn so blieb der Dollar die wichtigste Reserverwährung der Welt. Jedes Land musste sich Dollars als Devisen beschaffen, heisst etwas produzieren und exportieren, um Öl kaufen zu können. Nur die USA hatten eine Gratisfahrt, sie mussten nur Dollars drucken und bekamen das Öl umsonst, nur für ein Stück Papier. Das gilt bis heute so.

Das Wirtschaftssystem der Vereinigten Staaten blühte nicht und der sogenannte Wohlstand ist nicht deshalb, weil die Amerikaner so fleissig und innovativ waren, sondern weil sie ganz einfach ihr Öl gratis erhielten. Wenn man als grösster Verbraucher von Petroleum in einer auf Benzin basierenden Wirtschaft diese Energie umsonst bekommt, dann muss es einem ja blendend gehen. Alle anderen Länder mussten dafür hart arbeiten und einen Grossteil des BIP für die Ölimpimporte ausgeben.

Aber der Preis dafür ist eine ständige Inflation oder Verlust der Kaufkraft des Dollars. Damit komme ich zurück zum Beispiel mit dem Super 8 Hotelzimmerpreis. Wie gesagt, damals 1974 kostete eine Übernachtung 8,88 Dollar. Was kostet ein Zimmer heute? Zwischen 70 und 110 Dollar, je nachdem wo das Hotel liegt. Ob in der Stadt oder in einem Kaff, ob im Zentrum oder neben einer Autobahn.

Das heisst, für mehr oder weniger die gleiche Leistung, zahlt man heute das Zehnfache und mehr wie damals, so viel hat der Dollar in 38 Jahren an Kaufkraft verloren, obwohl die Hotelkette sicher ihren Betrieb ständig rationalisiert und die Kosten relative zu früher gesenkt hat. Bestimmt haben die Gründer von Super 8 mit 8,88 für das Zimmer gedacht, der Name und Preis würden lange halten.

Der Firmenname blieb bis heute aber der Preis nicht. Das nennt man Inflation und sie wächst ständig. Seit der Gründung der Federal Reserve 1913, der Zentralbank der USA, hat der Dollar über 95 Prozent an Wert verloren. Dabei soll es ja die Hauptaufgabe der sogenannten Währungshüter sein, die Kaufkraft zu erhalten. Sie machen aber alles andere, nur nicht das.

Das absurde ist noch, das Federal Reserve Open Market Committee (FOMC) hat jetzt offiziell nach ihrem zweitägigen Treffen verkündet, es ist ihr Ziel den Dollar in den nächsten 20 Jahren um 33 Prozent zu entwerten! Das verkünden sie ganz offen. Die meinen sich aus der Krise heraus inflationieren zu können. Dazu kommt aber noch die "reguläre" Preissteigerung.

Was die Fed praktisch damit sagt, sie wird einen massiven Diebstahl an den Ersparnissen der Amerikaner in den nächsten Jahren durchführen. Gibt es eine deutlichere Aufforderung Gold und andere stabile Werte zu kaufen? Das gilt auch für den Euro, denn die EZB macht die gleiche Nullzins- und Geldschwemmepolitik der Fed nach. Wir können zuschauen wie der Geldwert zerrinnt.

Ungedecktes Geld, egal von welcher Sorte, wird immer ständig an Wert verlieren und früher oder später wertlos sein. Das muss man einfach realisieren. Deshalb kann man arbeiten und sparen so viel man will, man wird laufend bestohlen. Heute mehr denn je, denn wegen den gigantische Summen die ins Finanzsystem für Rettungsmassnahmen gepumpt werden, muss es eine Hyperinflation geben.

Die Ironie ist, vor der Super 8 Hotel-Kette gab es bereits die MOTEL 6 Gruppe, die 1962 gegründet wurde. Sie boten ihre Zimmer damals zum Preis von 6,66 Dollar an. Noch ein Beweis wie der Dollar extrem an Kaufkraft verloren hat. Bald werden wir mit Banknoten nur noch Wände tapezieren können.

Ergänzung: Noch ein Indikator für die Inflation ist der Benzinpreis. 1974 kostete die Gallone (3,78 Liter) im Durchschnitt 40 Cents. Aktuell liegt der Preis bei fast 4 Dollar. Ist auch um das Zehnfache gestiegen.

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